Trotzphase: Hilfreiche Mami-Tipps (Teil 2)

07:49


Meine Lieben,

da mein Artikel "Trotzphase: Hilfreiche Mami-Tipps" so gut bei euch ankam und es wirklich viel Gesprächsstoff bietet, überlasse ich heute der lieben Alisa (@mama_leben) das Wort! Sie ist eine bezaubernde junge Mama, die auch in ihrem Alltag das eine und das andere Mal mit der Trotzphase ihres Sohnes zu kämpfen hatte/hat. Wie sie damit umgeht und welche Tipps sie für euch hat, verrät sie uns in ihrem gefühlvollen Gastbeitrag! Viel Spaß beim Lesen!

Als Luis knapp 1 1/2 Jahre alt war, kamen immer wieder Situationen auf, in denen ich mein Kind nicht mehr wieder erkannte. Da ich mit meinen knapp 22 Jahren eine relativ junge Mama bin, wusste ich damals erst nicht recht, was ich mit dieser neuen Situation anfangen bzw. wie ich sie meistern sollte. Als diese bestimmten "Aussetzer" dann ein paar Mal in der Öffentlichkeit und in der Kinderkrippe stattfanden, wurde ich sehr schnell und mit einem erhobenen Zeigefinger darauf hingewiesen, dass es sich um die berühmte "Trotzphase" handeln würde & ich bloß aufpassen soll, sonst würde er mir bald auf der Nase rumtanzen.

Die Erziehungstipps der einzelnen, teilweise pädagogischen Mitmenschen hatten alle etwas raues, sehr strenges, strafendes und vor allem wenig mitfühlendes. Da diese Methoden so überhaupt nicht mit meiner bisherigen Erziehung und meinem Bild von Luis Kindheit zu tun hatten, hab ich mich ans Internet gesetzt und hab über das "warum" recherchiert. WARUM reagieren Kinder in dieser Phase so? Aber vorallem auch: WARUM reagieren die Eltern so? Zu dem kam das genauere Beobachten anderer Eltern und das Zurückblicken in die Kindheit meiner Familienangehörigen, z.B in die meines kleinen Cousins.

Was ich bei diesem Beobachten & Hinterfragen sehr spannend fand, war die Tatsache, wie die einzelnen Menschen mit der Trotzphase umgehen. Die einen sehen es als die wohl größte Herausforderung des Elternsein: das Kind testet, provoziert, die sonst so "guten Manieren" in der Öffentlichkeit sind wie weggeblasen, die sonst so freundlichen Kinder werden zu kleinen Monstern & man hat das Gefühl die Erziehung entgleitet einem und das Kind ist nicht mehr so kontrollierbar. Die Folge: die Eltern haben Angst zu versagen & die Worte der älteren Generationen schleichen sich in das Gedächtnis: "Du darfst ihm/ihr nicht alles durchgehen lassen!" "Wenn du ihn/sie jetzt nicht für sein Verhalten bestrafst, wird er/sie es immer wieder machen!" "Das ist pure Absicht, er/sie weiß genau wie er dich rumkriegt!" Um nur ein paar Beispiele zu nennen...Was passiert aber, wenn man diese Phase aus der Sicht der Kinder sieht? Die ganze Woche durfte die kleine Mia ihre Ballerinas anziehen und wollte ihrer Mama zeigen wie sie sie allein anziehen kann. Aber Mama schaut überhaupt nicht und sagt, sie muss die Gummistiefel anziehen...aber das kann sie doch noch gar nicht. Oder der kleine Max, der es endlich schafft, seinen Joghurt allein zu essen...versteht er warum er sein Können nicht auch bei der klaren Suppe beweisen darf? Nicht zuletzt das Beispiel wenn Mama beim Einkaufen alles, was sie möchte in den Einkaufswagen legt, aber die Kleinen dürfen nicht...
Wir investieren so viel Zeit und Geduld unseren Kindern das Laufen, Sprechen, Rechnen, Lesen und Schreiben beizubringen, aber verlangen dass sie von Anfang an verstehen, wie sie ihre Gefühle beherrschen und kontrollieren sollen (Eine Sache die sogar uns Erwachsenen oft noch Probleme bereitet!). Wir müssen unseren Kindern mit Konsequenz und Geduld helfen, Beharrlichkeit und vor allem eine Frustrationstoleranz zu entwickeln. Nur so kann ein Kind verstehen lernen, wie es mit dieser ungeheuren Naturgewalt an Gefühlen von Hilflosigkeit, Wut und Unverständnis umzugehen hat, die bei einem Trotzanfall über es hereinbrechen.

Ich glaube ein allgemeines Patentrezept für den Umgang und die Erziehung in der Trotzphase gibt es nicht. Jedes Kind ist anders, jedes Kind geht mit diesem neuen Einfluss anders um und jedes Elternteil hat eine andere Vorstellung von Erziehung. Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, das der Anfall schneller vorbei geht, umso ruhiger ich bleibe....und meist ist es so, dass sich mein Luis am Ende schluchzend in meine Arme kuschelt und froh ist, wenn ihn jemand in dieser schwierigen Zeit tröstet, in der er vor lauter Gefühlschaos die Welt nicht mehr versteht...




1 Kommentar:

  1. Ein wirklich wunderschöner und Ehrlicher Beitrag. Ich kann zwar nicht als Mama sprechen, aber als Erzieherin und ich finde es schade, dass meine "Kolleginnen" dir so etwas mit auf den weg gegeben haben. Ich arbeite in einer Kinderkrippe in der Partizipation ganz oben steht und ich finde es gut zu sehen, dass du dies auch umsetzt um den Kindern eine liebevolle und mitbestimmende Kindheit schenken zu können. Denn das ist es, was Kinder wollen. Dann geht die Suppe eben daneben und die Mama muss putzen und waschen, aber für ein Erfolgsgefühl eines Kindes ist das das wenigste, was man machen kann. Wirklich toller Beitrag, danke. Ich werde ihn gleich meinen Kolleginnen zeigen

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